Von Samara ans Kaspische Meer

Erlebinsse einer Wolga-Kreuzfahrt und Abenteuer-Reisen nach Kamtschatka können hier diskutiert werden. Aber natürlich auch, ob Aeroflot die wirklich günstige Flugverbindung nach Moskau ist.
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Thomas Thomas
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Von Samara ans Kaspische Meer

Beitrag von Thomas Thomas » Dienstag 31. Mai 2016, 16:36

Hallo,

ich bin ganz neu hier und hoffe Ihr könnt mir weiterhelfen.

Folgende Reise würde ich gern mit meiner Freundin unternehmen:

- Reisezeit: Mitte Juli dieses Jahr
- Reisedauer: 3 Wochen
- Route: per Flugzeug nach Moskau, dann mit der Bahn an die Wolga z.B. Samara, dann mit dem Schiff zum Kaspischen Meer, von Astrachan dann per Flugzeug zurück

Folgende Frage:

Wie kann man auf der Wolga per Schiff reisen? Ich würde uns als weitestgehend Individualreisende bezeichnen. Ungern würden wir also einfach eine Schiffkreuzfahrt buchen wollen, was auch preislich wahrscheinlich ziemlich euer ist. Idealerweise wäre eine Art Linienverkehr, so das man auf- und absteigen kann wie man will, aber auch trotzdem die Möglichkeit hat an Bord zu bleiben. Wir würden gern ein paar Tage an Bord verbringen (inkl. Übernachtung) und ab und zu aussteigen und uns die Gegend (Städte, Landschaft) anschauen.

Im Internet finde ich dazu nicht viel, außer eben die Schiffkreuzfahrten. Heut jemand von Euch Erfahrungen mit der individuellen Wolga Befahrung? Gibt es Internetseiten oder Ähnliches die sich mit sowas beschäftigen? Vielleicht auch noch die Frage wie man sich vor Ort (bei den Zwischenstopps) am besten bewegt?

Vielen Dank für Eure Hilfe. Ich hoffe Ihr habt ein paar Tipps - auch weil die Reise ja schon bald losgehen soll.

Liebe Grüße aus Erfurt.

Thomas


P.S.: Habt Ihr vielleicht auch Buchtipps? Wollte mir schon mal das hier holen: https://www.amazon.de/Flusskreuzfahrten ... and+schiff



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Re: Von Samara ans Kaspische Meer

Beitrag von Jenenser » Mittwoch 1. Juni 2016, 01:00

Also, mir ist nicht bekannt, dass auf der Wolga eine Art Linienverkehr, vergleichbar mit einem Schnellzug oder einer Straßenbahn, stattfindet.

Russische Reiseagenturen chartern allerdings im Sommer regelmäßig Kreuzfahrschiffe und lassen sie die gesamte Saison auf den Flüssen Russlands umherfahren, kreuz und quer. In den Verkauf gelangen dann kompakte Angebote, wobei der Einstiegs- und der Ausstiegsort durchaus verschieden sein kann. Das Angebot umfasst in der Regel Vollpension, kulturelle Veranstaltungen an Bord, Kinderbetreuung und die Möglichkeit, an Landausflügen teilzunehmen. Die Wahl der Kabine macht hauptsächlich den Gesamtpreis aus. Gesehen habe ich schon 4-Bettkabinen (2 Doppelstockbetten) mit WC und Dusche im Gang im Unterdeck, 2 Bettkabinen mit Du/WC, Kühlschrank und Klimaanlage auf dem Mitteldeck, sowie Suiten mit 2 Räumen und sogar Badewanne auf dem Oberdeck.

Sehr gute Erfahrung habe ich vor einigen Jahren mit folgender Agentur gemacht
http://volgawolga.ru/
Dabei war ich unterwegs zwischen Perm an der Kama über die Wolga bei Kasan bis Samara und zurück. Da erfährt man echte russische Lebensfreude…

In dem erwähnten Buch habe ich auch schon geblättert. Es gibt eine gute Übersicht über die Städte an den Flüssen, sowie einige Verhaltensregeln an Bord. Grundsätzlich richtet es sich an deutsche Pauschalurlauber. Denn auch deutsche Reiseunternehmen chartern für ihre Kunden in Russland ganze Kreuzfahrschiffe...

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Re: Von Samara ans Kaspische Meer

Beitrag von Saboteur » Mittwoch 1. Juni 2016, 08:50

Vor einigen Jahren gab es auf jeden Fall Reiseverkehr auf der Wolga. Ein bekannter ist mehrfach von Wolgograd aus nach Astrachan gefahren aber ohne Ein- und Ausstieg sondern auf einen Schiff. Es soll wunderschön sein. Wenn ich die Tage zeit habe suche ich mal
помню айнц цвай полицай. все там с ума сходили. Под самогон...

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Re: Von Samara ans Kaspische Meer

Beitrag von Jenenser » Mittwoch 1. Juni 2016, 10:44

Vor zwei Jahren lief auf Phoenix diese Doku über eine Mitfahrt auf Frachtschiffen. Um das ganz privat zu organisieren, braucht man sicher einen guten Kontakt zu irgendeiner Reederei...
https://www.youtube.com/watch?v=W0wXH7aWm4U

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Re: Von Samara ans Kaspische Meer

Beitrag von Thomas Thomas » Mittwoch 1. Juni 2016, 15:36

Hallo,

vielen Dank für Eure Antworten!

Vielen Dank Jenenser auch für den Link - leider hab ich keine Russischkenntnisse, aber vieleicht hilft eine Onlineübersetzung.

War jemand schon mal am Kaspischen Meer beim Wolgadelta? Klingt vielleicht doof, aber wir hätten Lust nach der Schiffsreise noch ein paar Tage Strand dran zu hängen - kann man das in der Region am Kaspischen Meer machen - oder passt das nicht zusammen?

Wenn nicht, dann könnte man in Wolgagrad ja auch Richtung Don abbiegen und am schwarzen Meer baden - oder bietet sich das in der Krisenregion gerade nicht so an?

Danke und Grüße.

Thomas



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Re: Von Samara ans Kaspische Meer

Beitrag von Norbert » Mittwoch 1. Juni 2016, 17:35

Das Wolgadelta ist meines Wissens eher unwegsam und hat keine Strände. Ich bin letztens drüber geflogen, das wirkte eher sumpfig. Von Astrakhan gibt es Busse nach Elista (Kalmykien), von da weiter nach Krasnodar und an die Schwarzmeerküste. Sicherheitsbedenken hätte ich zwischen Anapa und Sotschi keine.

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Re: Von Samara ans Kaspische Meer

Beitrag von keksonline » Donnerstag 2. Juni 2016, 12:44

Wir sind 2013 mit einem Schiff des Anbiters Sputnik Germes (http://www.sputnik-germes.ru/river) von Samara über Saratov nach Wolgograd und zurück gefahren.

Das Schiff, die Fjodor Dostojewski, stammt aus DDR Produktion und gehört zu den größeren Passagierschiffen auf der Wolga. Wir hatten Kabinen auf dem Oberdeck. Wie auf den meisten Schiffen üblich, ausgestattet mit zwei getrennten Betten (nur in den Suiten gibt es in der Regel Doppelbetten), eigenem Bad und Kühlschrank auf dem Zimmer. Zur Unterhaltung gab es ein Bordradio. Man darf natürlich keine Luxusausstattung erwarten. Alles ist sehr zweckmäßig eingerichtet und ein bisschen in die Jahre gekommen, aber sehr gut gepflegt und sauber. Der Blick aus dem Fenster entschädigt aber für alles.
Die Verpflegung war sehr gut (klassische russische Küche) und wurde als kleines Menü dargereicht. Man konnte im vorhinein aus zwei verschiedenen Hauptgerichten wählen. Da wir die einzigen Ausländer auf dem Schiff waren, haben wir relativ schnell die Herzen der Restaurantleitung gewonnen und man war sehr besorgt darum uns satt zu machen. Getränke zu den Mahlzeiten waren inklusive, nur für Alkohol musste man extra bezahlen.

Bei den beiden Stopps konnte man zwischen einer geführten Tour und der Erkundung auf eigene Faust wählen. Da die Schiffe in der Regel in der nähe des Zentrums halten, stellt eine Erkundung auf eigene Faust überhaupt kein Problem dar. In Saratov sind wir mit einem öffentlichen Bus hoch zum Park Pobedy gefahren, in Wolgograd mit der Straßenbahn zum Kriegsdenkmal.

Die Landschaft während der Fahrt war sehr abwechslungsreich und es gab immer etwas zu sehen. Auch Technikfans kommen während den Schleusungen auf ihre Kosten.

Zu Deiner Frage: Eine Art Hop-On-Hop-Off-Schiffahrt ist mir nicht bekannt, ich weiß auch nicht, inwiefern man Teilstrecken buchen kann. Ich denke, der überwiegende Teil der Touren wird als Pauschalreise angeboten. Zwischen den größeren Städten lassen sich zwar auch 2-3 Tagestouren buchen, ob es möglich ist, die Rückfahrt nicht wahrzunehmen, weiß ich allerdings auch nicht. Alles in allem ist so eine Wolgaschifffahrt aber eine feine Sache und eine sehr angenehme Art Russland zu bereisen.

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Re: Von Samara ans Kaspische Meer

Beitrag von Packerowski » Donnerstag 2. Juni 2016, 23:54

Hallo, Thomas Thomas,

Linienverkehr über längere Strecken zwischen den großen Wolgastädten gibt es meines Wissens tatsächlich seit vielen Jahren nirgendwo mehr. Was existiert, sind Fähren oder Tragflügelboote in die Umgebung einiger der größeren Metropolen (z.B. Kasan - Bolgar mit einer Fahrzeit von ca. 2,5 Stunden). Um eine - mindestens mal kurze - Mitfahrt auf einem Kreuzfahrtschiff wirst Du nicht herumkommen, wenn Du die Wolga auf dem Wasser bereisen willst.

Das Kaspische Meer lässt sich im Bereich des Wolgadeltas nur mit sehr großem Aufwand erreichen. Zum einen gilt wohl der gesamte Küstenstreifen als Grenzzone, wer dort hinein will, benötigt einen Spezial-Passierschein. Zum anderen gibt es, wie bereits angemerkt, keine klare Uferlinie, geschweige denn einen schönen Badestrand. Inmitten von Untiefen, Schilffeldern und kleinen Inseln könnte kaum jemand überhaupt sagen, wo das Meer eigentlich anfängt, habe ich mir von einem Bootskapitän mal sagen lassen. Das schmälert die Eindrücke eines Besuchs im Delta aber keineswegs.

Auch gibt es mittlerweile im Delta durchaus eine touristische Infrastruktur, die aber oft eher auf Angler ausgerichtet ist. Von allen Ecken Russlands, die ich bislang kennengelernt habe, sind mir Astrachan, das Wolgadelta und die Halbwüste drum herum übrigens die liebsten - und das trotz der Sommerhitze. Und das buddhistische Kalmückien nebenan ist tatsächlich auch auf jeden Fall einen Besuch wert.

Von den anderen größeren Wolga-Städten würde ich ansonsten zuallererst empfehlen, Kasan anzusteuern. Samara hat zwar die hübschen Hügel in der Umgebung, aber das ist touristisch doch eher eine Angelegenheit für höchstens einen Tag bzw. den schnellen Kreuzfahrt-Landausflug.

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Re: Von Samara ans Kaspische Meer

Beitrag von Jenenser » Freitag 3. Juni 2016, 09:48

In der Stadt Samara war unser erstes Ziel der Stalinbunker. Vom Passagierhafen aus kann man dahin auch laufen und die Innenstadt mit durchaus interessanter historischer Architektur auf sich einwirken lassen.
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%91%D1 ... %80%D0%B0)
Und natürlich habe ich mir noch das moderne Bahnhofsgebäude von außen und innen angeschaut. Es soll das höchste in Europa sein.
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A1%D0 ... %B8%D1%8F)

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