Doppelte Staatsbürgerschaft

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Lizrdnv
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Doppelte Staatsbürgerschaft

Beitrag von Lizrdnv » Mittwoch 15. März 2017, 00:09

[welcome]

Mich verwundert dieses Thema immer wieder, und ich hoffe mir können einige hier helfen.
Ich bin 19 Jahre alt und bin in NRW geboren worden.
Ich bin hier in den Kindergarten gegangen und mache jetzt mein Abi.
Ich hab seit meiner Geburt aus, die russische Staatsangehörigkeit. Meine Eltern sind beide Russen, sie sind 1996 mit meinen Brüdern nach Deutschland gezogen. Ich weiß, es gibt bestimmte Prinzipien(Geburtsprinzip usw.) aber eigentlich würde keins auf mich zutreffen,oder?
Ich hatte auch vor über einem Jahr bei der Ausländerbehörde angerufen und nachgefragt, sie meinten selber das bei mir eine doppelte Staatsangehörigkeit nicht stattfinden kann.
Ich will und werde aber meine Russische nicht abgeben, wegen Familie und weil Russland auch irgendwie meine Heimat ist. Aber ich möchte auch die Deutsche Staatsangehörigkeit haben, weil ich nun mal hier auf die Welt gekommen bin und im Prinzip das Recht hier habe deutsche zu sein(wenn ihr versteht was ich meine)
Hättet ihr irgendwie Tipps, wie man da vorgehen könnte usw.?

Und falls es hier nicht reinpasst, dann bitte verschiebt es in das richtige Forum, bin hier neu :)

Lg,
Liza



Cska
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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft

Beitrag von Cska » Mittwoch 15. März 2017, 00:39

Du hast die russische Staatsbürgerschaft glaube ich weil deine Eltern beides Russen sind. Wenn du keine ablegst behälst du beide, ist kein großes Problem.

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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft

Beitrag von m5bere2 » Mittwoch 15. März 2017, 04:24

Cska hat geschrieben:Du hast die russische Staatsbürgerschaft glaube ich weil deine Eltern beides Russen sind. Wenn du keine ablegst behälst du beide, ist kein großes Problem.
Aber dann hätte er die Deutsche nur wegen Geburtsortsprinzips und dann herrscht je nach Tageslaune der deutschen Politik die Optionspflicht und man muss sich im Erwachsenenalter für eine der Staatsangehörigkeiten entscheiden.

Soweit ich weiß ist die Optionspflicht zur Zeit außer Kraft gesetzt. Wenn aber die CDU im September gewinnt und passende Koalitionspartner findet, dann kann man schon darauf wetten, dass die die wieder einführen.

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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft

Beitrag von Norbert » Mittwoch 15. März 2017, 06:22

Welchen Status hatten Deine Eltern denn zum Zeitpunkt Deiner Geburt? Davon hängt ab, ob Du die deutsche Staatsbürgerschaft hast bzw. beantragen kannst.

Und ob Du die russische dann zwischen 18 und 21 abgeben musst, hängt von der aktuellen Regierung ab, wie m2bere5 korrekt schreibt.

Lizrdnv
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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft

Beitrag von Lizrdnv » Mittwoch 15. März 2017, 12:17

Norbert hat geschrieben:Welchen Status hatten Deine Eltern denn zum Zeitpunkt Deiner Geburt? Davon hängt ab, ob Du die deutsche Staatsbürgerschaft hast bzw. beantragen kannst.

Und ob Du die russische dann zwischen 18 und 21 abgeben musst, hängt von der aktuellen Regierung ab, wie m2bere5 korrekt schreibt.


Sie haben nur die russische. Ich hab auch nur die russische. Die deutsche hatte ich noch nie



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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft

Beitrag von Norbert » Mittwoch 15. März 2017, 13:16

Soweit hatte ich es verstanden. Aber waren sie in Deutschland mit einem Arbeitsvisum, mit einer Aufenthaltsgenehmigung oder mit welchem Status?

(Wenn Touristen hier ein Kind bekommen, ist es nicht automatisch Deutscher. Aber mit Aufenthaltsgenehmigung meines Wissens schon.)

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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft

Beitrag von Lizrdnv » Mittwoch 15. März 2017, 17:51

Norbert hat geschrieben:Soweit hatte ich es verstanden. Aber waren sie in Deutschland mit einem Arbeitsvisum, mit einer Aufenthaltsgenehmigung oder mit welchem Status?

(Wenn Touristen hier ein Kind bekommen, ist es nicht automatisch Deutscher. Aber mit Aufenthaltsgenehmigung meines Wissens schon.)

Aufenthaltsgenehmigung

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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft

Beitrag von Evgenij » Mittwoch 15. März 2017, 18:03

Hallo Lisa,

..wenn ich recht verstehe, stellst Du so etwas wie einen Sonderfall dar (Du lebst wohl in D mit nur einem russ. Reisepass?),
da bei Dir nicht mal das Geburtsortsprinzip greift (weil vor dem Jahr 2000 geboren), und somit auch Optionsmodell/-regelung nicht eröffnet ist, sprich keine Optionspflicht besteht, weil:

1) Die Eltern sich nicht rechtzeitig um die Beantragung der Einbürgerung gekümmert hatten/nicht geltend gemacht oder
2) die Voraussetzungen hierfür nicht erfüllten/erfüllen konnten

Da gab’s nämlich eine Übergangsregelung für Familien mit Kindern, welche zwar in D (zwischen 1990 u. 2000) geboren wurden, jedoch die deutsche Staatsangehörigkeit (SA) nicht automatisch zuerkannt bekamen.
Für solch einen Fall legte der Gesetzgeber eine (Übergangs-)Jahresfrist fest (Jahr 2000, nach § 40b StAG), innerhalb derer man die Einbürgerung beantragen konnte, sofern die von den Eltern hierzu notwendigen Voraussetzungen nach § 4 Abs. 3 StAG erfüllt wurden.

Und eben diese Frist hatten Deine Eltern anscheinend versäumt?!

Wurde Eure Familie denn damals über solch eine Möglichkeit seitens der Behörde überhaupt informiert?

Jedenfalls (als Tipp): Würde an deiner Stelle diesen Sachverhalt beim (russischsprachigen) Rechtsanwalt in D auf jeden Fall prüfen wollen.
Wer weiß, vielleicht könnte er/sie euch doch noch helfen in dieses Geburtsortsprinzip/Optionsmodell reinzukommen…

Denn: (als möglicher Erklärungsansatz)

Die Familie ist zwar im Jahr 1996 nach D gezogen und konnte diesen ersten Punkt aus dem Gesetz (§ 4 Abs. 3 StAG):
[...] (3) Durch die Geburt im Inland erwirbt ein Kind ausländischer Eltern die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn ein Elternteil
1. seit acht Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat und
2. ein unbefristetes Aufenthaltsrecht oder als Staatsangehöriger der Schweiz oder dessen Familienangehöriger eine Aufenthaltserlaubnis auf Grund des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der Schweizerischen Eidgenossenschaft andererseits über die Freizügigkeit (BGBl. 2001 II S. 810) besitzt. [...]
objektiv nicht erfüllen, allerdings unter bestimmten Voraussetzungen hätte sich dieser gewöhnliche Aufenthalt auf sechs Jahre verkürzt (z.B. falls die Eltern sich zum Zeitpunkt der Antragstellung ehrenamtlich engagierten oder auch besondere Sprachkenntnisse des Deutschen nachweisen konnten) .., glaube das Gleiche gelte aber auch, wenn ein öffentliches Interesse an der Einbürgerung besteht (z.B. bei Sportlern, Musikern, Wissenschaftlern etc.).

Außerdem hätte Deine Familie dann (im Nachhinein) spätestens im Jahr 2003/04 sowieso diese geforderte Bestimmung definitiv/eindeutig erfüllen können (oder? Ich nehme mal an die Eltern wohnen weiterhin in D), nur das Blöde ist dann, dass diese Übergangsregelung nicht mehr galt...
(was aber irgendwie eine Benachteiligung - verglichen mit anderen Gruppen vor u. nach 2000 Geborener mit längerem Aufenthalt ihrer Eltern und daher "anerkannter" SA - darstellen würde. Kinder können eben nichts dazu, dass ihre Eltern nicht lange genug im Land waren -, werden/würden aber innerhalb einer ausl. Gleichaltrigen-Kindergruppe ungleich behandelt)
Lizrdnv hat geschrieben:Sie haben nur die russische. Ich hab auch nur die russische. Die deutsche hatte ich noch nie
Noch paar Fragen (diese/jede Info(s) dürften für den Anwalt von Bedeutung/nützlich sein)!!

Was waren eigentlich die Gründe deiner Familie nach D überzusiedeln? (in welchem Status etwa als Hochqualifizierte kamen sie nach D?); Seid Ihr die "üblichen" Wirtschaftsmigranten und sind die Eltern nun wirklich nur "echte" Russen ODER haben die bzw. deren Eltern (Deine Großeltern) u.a. auch irgendeinen Bezug zu:

- Russlanddeutschen/Spätaussiedlern
- Statusdeutschen
- Russen jüdischen Glaubens
- Volksdeutschen
- Verwandtschaft zu Personen mit deutschen Wurzeln mit ständigem Wohnsitz in D
- Ist ein Elternteil jemals von Deutschen adoptiert worden?
- Flüchtlingshintergrund (z.B. politisch Verfolgte oder aufgrund anderer Religions-/Volkszugehörigkeit o.ä., etwa Tschetschenen, Jesiden etc.?)
- Liegt/lag schwere/besondere Erkrankung od. psych./körp. Beeinträchtigung vor?
- usw.

Sollte mind. eines der o.g. Punkte zutreffen, dürften dann die Chancen für eine positive Entscheidung sich auch erhöhen, da vllt. welche begünstigenden Maßnahmen vorlägen (Bei manchen reich(t)e dann evtl. gar nur ein Feststellungsverfahren samt Beantragung)

Sonst bliebe es Dir nur noch übrig - wenn’s letztendlich nichts mehr hilft und der Wunsch zum Erwerb deutscher SA weiterhin besteht – auf russ. SA zu verzichten (im Falle Russlands würden auch die vom Gesetzgeber hiervon vorgesehen Ausnahmen nicht greifen, außer man ist anerkannter Flüchtling s.o.).

Grüße
Evgeny

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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft

Beitrag von Lizrdnv » Mittwoch 15. März 2017, 20:02

Evgenij hat geschrieben:[...] Was waren eigentlich die Gründe deiner Familie nach D überzusiedeln? (in welchem Status etwa als Hochqualifizierte kamen sie nach D?); Seid Ihr die "üblichen" Wirtschaftsmigranten und sind die Eltern nun wirklich nur "echte" Russen [...]
Hey,
also meine Eltern sind mit meinen Brüdern 1996 hierhin 'geflüchtet' mit jüdischem Hintergrund.
Meine Eltern wurden nicht über eine Übergangsregelung informiert, mir wurde direkt die russische zugeteilt und dass wars.
Mit einem Anwalt wollte ich sowieso darüber sprechen, aber ich weiß nicht wo man einen guten findet.
Zuletzt geändert von Norbert am Donnerstag 16. März 2017, 06:51, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitat gekürzt

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Re: Doppelte Staatsbürgerschaft

Beitrag von Evgenij » Mittwoch 15. März 2017, 21:54

Lizrdnv hat geschrieben: .. 'geflüchtet' mit jüdischem Hintergrund.
..dein Fall scheint mir noch "sonderbarer" zu sein..
..aber ich weiß nicht wo man einen guten findet.
..ich kenne zwar keine aus NRW (evtl. könnte ich dir welche aus RLP/BW nennen) ABER
wie du vermutlich auch selber weißt, dass es recht große russich-jüdische Gemeinde in D gibt.
So wende dich doch mal an diese - die würden dir bestimmt weiterhelfen ODER
.. schreib mal dieses Blatt an oder
das hier, da kannst denen deinen Fall ausführlich schildern, kann sein, dass sie diesen auch in einem ihrer nächsten Hefte abdrucken könnten/würden (beantwortet vom Fachanwalt, was gleichzeitig als kostenlose Rechtsberatung dienen könnte)
Übrigens, in demselben Heft (kontakt-chance) auf Seite 23 sind dann die Kontaktdaten vom eben diesen Anwalt zu finden

Zur Rechtsberatung: (wenn noch nicht bekannt) da gibt's nämlich sowas wie Beratungshilfe u. Prozesskostenhilfe.

Falls deine Eltern nicht übermäßig viel verdienen, kannst dir im Amtsgericht
- sog. Beratungshilfeschein holen (bin mir aber nicht sicher, ob das auch von Nicht-Deutschen beansprucht werden kann - frag nach)
-- gehst hin (nimm paar Kontoauszüge deiner Eltern mit oder eigene, falls Nebenjob machst) u. beantragst diesen (schilderst den Sachverhalt/ist besser, wenn du dir den Anwalt bereits vorher ausgesucht hast) wird ca. 5-10 min geprüft u. kriegst den bewilligt oder auch nicht (bei Bewilligung und außergerichtlicher Beratung kostet dich das Ganze ganze 15€, quasi als "Eigenbeteiligung").
Und passe mal auf, dass zum Zeitpunkt der Antragstellung (oder kurz davor) sich nicht mehr wie 2.699€ aufm Konto befinden ;-), sonst bekommst du ihn nicht.

Wo du dir noch kostenlose Rechtsberatung einholen könntest, wäre z.B.:

- Falls du irgendeine Versicherung hast, sei es Kfz oder andere, kannst zu deiner Versicherungsagentur gehen u. fragen, ob die denn welche Termine für Rechtsberatung anbieten würden (denn die meisten Versicherer bieten ja auch Rechtschutz-Vers. an, zu diesem Zweck tun sie mit irgendeiner Rechtskanzlei eng kooperieren. Und die Anwälte kommen dann öfter mal zum Versicherer u. bieten solche Rechtsberatung-Termine - meist unter der Woche kostenlos an, um mehr Kundschaft "anzulocken"/kannst da auch gucken, ob der Anwalt gut ist oder dir gefällt :lol: )

- Falls du Studentin wärst.., so bieten auch die meisten Unis eine Rechtsberatung an..



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