Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Hier findest Du Insiderinformationen zum mittel- oder langfristigen Aufenthalt in Russland die Dir helfen das Leben in Russland zu meistern. Du lebst (noch) nicht in Russland? Dann könnte dieses Unterforum für Dich besonders interessant sein, damit Du von unseren Erfahrungen profitierst. Expats are welcome!
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Wladimir30
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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von Wladimir30 » Montag 30. Oktober 2017, 17:20

saransk hat geschrieben:
paramecium hat geschrieben:Wenn ich mal in deinem Alter jenseits der 50 bin, möchte ich zudem keinesfalls auf das katastrophale russische Gesundheitssystem angewiesen sein.
Dies ist auch einer der Gründe, welche mir etwas sorgen machen. Ich habe erleben müssen, wie elendig der Stiefvater meiner Frau und auch ein weiterer Verwandter sterben mussten, obwohl man Ihnen in Deutschland noch hätte helfen können.
Dieses Argument kommt immer wieder.

Erstens ist hier viel Bangemacherei dabei. Es ist nicht alles schlimm in Russland, auch das Gesundheitssystem nicht. Ich habe sehr viel menschliche Wärme bei Ärzten in Russland erlebt, die ich in Deutschland auch nicht ansatzweise erfahren durfte. Leider gibt es hierbei natrülich auch das genaue Gegenteil, was auch nicht verschwiegen werden soll. Wer in Russland als Arzt arbeitet, muss per se überzeugter Arzt sein, denn das Argument, als Arzt werde ich reich, verfängt hier nun wirklich nicht. Es gibt auch außerhalb der großen Zentren gute Ärzte und immer mehr Privatkliniken, die qualitativ gute Leistung bringen.
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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von m5bere2 » Montag 30. Oktober 2017, 18:04

Wladimir30 hat geschrieben:Ich habe sehr viel menschliche Wärme bei Ärzten in Russland erlebt
Naja, menschliche Wärme finde ich auch beim Seelsorger. Gesund macht der mich aber nicht, sofern es sich nicht "nur" um einen Dachschaden handelt.

Darüber hinaus muss ich aber konstatieren, dass z.B. die Kinderärzte in der Polyklinik unseres Mikrorajons durchaus kompetent erscheinen und dort auch selten Schlange sind. Die machen ja sogar Hausbesuche, etwas, was ich wiederum in Deutschland vermissen würde.

Ansonsten kann ich mich auch nur m1009 anschließen: es kommt immer anders, als man denkt. Bis meine Kinder ins Studienalter kommen ... wer weiß, wie viel dann vom heutigen Europa noch übrig ist.

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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von bella_b33 » Montag 30. Oktober 2017, 18:18

m5bere2 hat geschrieben:Die machen ja sogar Hausbesuche
Bei uns auch....Du musst nur sagen, daß Dein Kind heut morgen Fieber hatte, dann kommen sie in der Regel zu Dir.
Dumm sein ist wie tot sein: Man selber merkt nichts, schlimm ist es nur für die Anderen!

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saransk
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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von saransk » Montag 30. Oktober 2017, 18:32

Wladimir30 hat geschrieben:Erstens ist hier viel Bangemacherei dabei. Es ist nicht alles schlimm in Russland, auch das Gesundheitssystem nicht.
Das kommt halt immer auf die Krankheit an. Einen Beinbruch zu gipsen ist ja nicht unbedingt das Problem. Das klappt hier wie dort mehr oder weniger reibungslos. Interessanter, oder halt auch bedenklicher, wird es bei den sogenannten "Alterskrankheiten".
Wenn der Krankenwagen nach einem Schlaganfall aber viel zu lange braucht, und deshalb die entstandenen Schäden im Gehirn nicht mehr kompensierbar sind, hilft auch menschliche Wärme nicht mehr weiter. hier kommt es wirklich darauf an, innerhalb weniger Minuten in einer Stroke-Unit zu sein. Nach meinem jetzigen Kenntnisstand, gibt es diese aber selbst in Saransk nicht. Die nächste wäre dann in Pensa. Oder die panische Angst russischer Ärzte starke Schmerzmittel oder (auch bei obigem Notfall) neurologische Mittel zu verschreiben, weil diese halt immer noch unter das Drogengesetz fallen, und der Arzt dann mit mehr als einem Bein vor dem Kadi steht. Eine Bekannte von uns arbeitet selbst als Ärztin. Sie ist fachlich sehr kompetent, macht aber Tätigkeiten, welche in Deutschland eine Krankenschwester oder Radiologische Assistentin durchführen würde. Und vor gar nicht allzu langer Zeit musste ich selbst mal in einer pneumologischen Klinik warten, wo das Wort Hygiene wahrscheinlich noch nie gehört wurde.
Wladimir30 hat geschrieben:und immer mehr Privatkliniken, die qualitativ gute Leistung bringen.
Ja, die gibt es, und als Ausländer oder mit ernsteren Erkrankungen würde ich auch nur diese aufsuchen. Hat aber halt alles seinen Preis, den man später im Alter auch erst einmal aufbringen muß. So hat mich meine neue Krone in Saransk genau soviel gekostet, wie diese als Eigenanteil in Deutschland in Rechnung gestellt worden wäre. und die paar Prozente, welche die Krankenkasse bezahlt sind dann auch kein großes Argument mehr.

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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von m1009 » Montag 30. Oktober 2017, 19:28

Dann wuerde ich vorschlagen... nie ins Ausland, schon gar nicht oestlich von Oder-Neisse. Oder gar suedlich Wien/Zuerich/Basel. Auf keinen Fall in ein Auto steigen. Strassen im Allgemeinen meiden.

Letztendlich ist jeder seines Glueckes Schmied. Wohnorte an der Anzahl der Minuten, die der Notarztwagen zum Einsatzort braucht, auswaehlen... Nun ... das muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen.



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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von paramecium » Montag 30. Oktober 2017, 20:57

saransk hat geschrieben:
Wladimir30 hat geschrieben:Erstens ist hier viel Bangemacherei dabei. Es ist nicht alles schlimm in Russland, auch das Gesundheitssystem nicht.
Das kommt halt immer auf die Krankheit an. Einen Beinbruch zu gipsen ist ja nicht unbedingt das Problem. Das klappt hier wie dort mehr oder weniger reibungslos. Interessanter, oder halt auch bedenklicher, wird es bei den sogenannten "Alterskrankheiten".
Wenn der Krankenwagen nach einem Schlaganfall aber viel zu lange braucht
Genau darum geht es. Nicht um eine Grippe, ne abgerissene Fingerkuppe oder eine Weisheitszahnbehandlung. Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems (inklusive Schlaganfall) und Krebs sind die Krankheiten an denen mehr als 2/3 aller Menschen in den Industrieländern sterben. Im einen wie im anderen Fall ist Russland im Vergleich zu anderen Industriestaaten besonders schlecht aufgestellt.

Die damals 1-jährigen Nichte meiner Frau ist vor eineinhalb Jahren an einem Weichteilsarkom erkrankt. Die Chancen in Deutschland wären bei einer frühen Diagnose sehr gut gewesen. In der Moskauer Privatklinik konnte man zwar die Diagnose stellen, ihr aber nicht helfen, so dass die Cousine meiner Frau weit mehr als 100.000 Euro zusammenbekommen musste um die Behandlung in Deutschland (Tumorzentrum Essen) sowie den mehrmonatigen Aufenthalt zu finanzieren. Bis das Geld durch Crowdfunding sowie den Verkauf einer kleinen Eigentumswohnung zusammenkam und die Behandlung endlich starten konnte verging fast ein Jahr. Die Prognose hatte sich bis dahin deutlich verschlechtert. Ausgang ist offen...
m1009 hat geschrieben: Dann wuerde ich vorschlagen... nie ins Ausland, schon gar nicht oestlich von Oder-Neisse. Oder gar suedlich Wien/Zuerich/Basel. Auf keinen Fall in ein Auto steigen. Strassen im Allgemeinen meiden.

Letztendlich ist jeder seines Glueckes Schmied. Wohnorte an der Anzahl der Minuten, die der Notarztwagen zum Einsatzort braucht, auswaehlen... Nun ... das muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen.
Es geht in den Beiträgen oben nicht um die Beseitigung aller Risikofaktoren und das weißt du auch. Russland befindet sich in Punkto Lebenserwartung im letzten Viertel der Staaten der Erde. Und daran ist nicht nur der hohe Alkoholkonsum sowie die Ernährung, sondern auch die katastrophale medizinische Versorgungslage Schuld.

Es muss natürlich jeder Mensch mit sich selbst ausmachen, welche Prioritäten man im Leben setzt und wie wichtig ihm eine vernünftige Gesundheitsversorgung im Alter ist. Wenn man damit umgehen kann, dass die Chance enge Familienangehörige auf Grund medizinischer Mangelversorgung (langsame Krankenwagen/Rettungshelikopter, fehlende Stroke-Units, fehlende Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, schlecht ausgebildete Ärzte) zu früh zu verlieren deutlich höher ist, weil andere Lebensfaktoren diesen Missstand ausgleichen, spricht ja nichts gegen ein Leben in Russland. Für mich ist, neben persönlichen Entwicklungschancen (u.a. erfüllende Jobs, Bildungsmöglichkeiten ect.) für mich und meine Familie, die Gesundheit einer der Faktoren, bei denen ich keine bzw. wenig Abstriche machen möchte.

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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von Wladimir30 » Montag 30. Oktober 2017, 21:42

Wer suchet der findet. Missstände gibt es in Russland, zweifellos, und nicht wenige. In Deutschland auch. Und nicht wenige. Das wird irgendwie gern unter den Teppich gekehrt, weil es wohlfeil ist, sich über das Gesundheitssystem in RUS auszulassen.

Wenn die Lebensqualität berechnet wird am schlimmsten anzunehmenden Unfall und nicht an dem, was das Leben im Normalfall zu bieten hat, dann sollte man sich am besten im Nachbarhaus einer Spezialklinik mit Standleitung zum diensthabenden Arzt einquartieren. Obwohl, man hat ja auch schon Pferde kotzen sehen, und das vor der Apotheke.

Nein. Mir ist das LEBEN in Russland lieb und teuer. Meinen doppelten Knöchelbruch mit verdrehten Haxen hat man mir hier im Roten Kreuz Krankenhaus mit einer Titanplattte makellos hingekriegt, noch nicht mal Wetterfühligkeit ist geblieben.

Mir geht es gehörig auf den Keks, wenn jeder einen Fall kennt, wo in Russland durch das Gesundheitssystem bedingt jemand richtig Sch... erlebt hat und diese Fälle werden dann genüsslich breitgetreten. Ja, das ist dann wirklich Sch... Gibt es in DEU etwa keine derartigen Fälle? Wenn meine Mutter mit ihren 82 Jahren seit fadt einem Jahr von Pontius zu Pilatus geschickt wird, jedes mal im Schnitt vier Stunden im Wartezimmer sitzen muss, nachdem sie als Kassenpatientin sechs Wochen auf einen Termin warten musste, nicht mehr laufen kann, weil das Knie einfach höllisch wehtut, der Arzt die Spritze falsch setzt, das Knie anschwillt wie blöd, der Arzt sagt "Na, das verläuft sich mit der Zeit", was es natürlich nicht tut. Seit fast einem Jahr rennt (was sie ja eben nicht mehr kann) sie ständig zu irgendwelchen Ärzten. Hier ist dann das glückselig machende deutsche Gesundheitssystem. Und die Kälte der Ärzte dabei ist für meine Mutter leider eben schon ein Problem, auch wenn manche das hier einfach belächeln und sagen, dass menschliche Wärme nichts hilft.

Ja. Das deutsche Gesundheitssystem ist im Schnitt deutlich besser als das russische. Soll ich mir im normalen Leben ständig Gedanken machen über das, was passieren könnte? Ich bin fast 60, und dennoch ist das kein ausschlaggebendes Argument mein Leben in DEU zu verbringen für mich. Weil es hier auch Gutes zu berichten gibt. Sogar im Gesundheitsbeteich.
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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von bella_b33 » Montag 30. Oktober 2017, 22:26

Danke für die Einschätzung, Wladimir. Ich bin da ganz Deiner Meinung, hab dieses Jahr 10 Tage im normalen Krankenhaus in Saransk verbracht und war mit der kompletten Behandlung, sowie den Umgang mit den Menschen den ich erleben durfte, wirklich sehr zufrieden. Man ist immer bemüht eine Lösung zu finden und tut nichts als Kleinigkeit ab....

Gruß
Silvio
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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von paramecium » Montag 30. Oktober 2017, 22:42

Wladimir30 hat geschrieben:Meinen doppelten Knöchelbruch mit verdrehten Haxen hat man mir hier im Roten Kreuz Krankenhaus mit einer Titanplattte makellos hingekriegt, noch nicht mal Wetterfühligkeit ist geblieben
Sprunggelenksfrakturen sind sehr häufig und gehören zu den relativ komplikationslosen Routineoperationen. Das ist schwer vergleichbar mit lebensbedrohlichen Erkrankungen, bei denen schnelles medizinisches Eingreifen, die Verfügbarkeit aktueller medizinische Diagnosesysteme/Behandlungsmöglichkeiten und vor allem das Fachwissen der Ärzte über Leben und Tod entscheiden.
Wladimir30 hat geschrieben: Wenn die Lebensqualität berechnet wird am schlimmsten anzunehmenden Unfall und nicht an dem, was das Leben im Normalfall zu bieten hat, dann sollte man sich am besten im Nachbarhaus einer Spezialklinik mit Standleitung zum diensthabenden Arzt einquartieren. Obwohl, man hat ja auch schon Pferde kotzen sehen, und das vor der Apotheke.
Tut mir Leid, aber Herz-Kreislauferkrankungen und/oder Krebs sind im Alter der Normalfall und nicht die Ausnahme. Die meisten von uns werden an diesen Krankheiten sterben. Die Frage dabei ist, ob es einen 10-15 Jahre früher trifft, weil man beispielsweise schon beim ersten leichteren Schlaganfall/Herzinfarkt eine Stunde auf den Krankenwagen warten musste.

Aber wie geschrieben, man muss selbst die Entscheidung treffen, wie wichtig einem medizinische Versorgung ist. Das mag sicherlich auch mit persönlichen Erfahrungen zusammenhängen.

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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von m1009 » Montag 30. Oktober 2017, 23:03

Man ist immer bemüht eine Lösung zu finden und tut nichts als Kleinigkeit ab....
Geerbter Bluthochdruck. Vorm Jahreswechsel gings mir ein bisschen komisch. Am Morgen in die Privatklinik zum Hausarzt (das ist das Einzige was ich meinen Naechsten eintrichtere... moeglichst zum gleichem Doc, der deine Akte hat und ggf. weiter überweist). Die Privatklinik wird von der Zusatzkrankenversicherung getragen. Sofort EKG. 45 min spaetser beim Kardiologen, Ultraschall Herz. Keine Aenderungen am Herzen zum letzten Ultraschall ... Am Abend Belastungs EGK. Langzeit EKG. 1 Woche spaeter war ich neu eingestellt.

Meine Mutter. Im hochgelobten Deutschland. Belastungs EKG? Naechster Termin in 2 Monaten. Ultraschall Herz? Bitte nach Berlin. 2h Anfahrt. Termin? in 6 Wochen. Das Einstellen auf neue Tabletten kann schon mal einige Monate in Anspruch nehmen.

Versteht mich nicht falsch, mir geht es nicht um das Schoenreden des vom Niveau ohne Frage deutlich problematischeren Gesundheitssystem bei uns. Nur, daran eine Grundsatzentscheidung festzumachen, in welchem Land man sein Glueck findet....? Nun... Das ist ja wohl komplett daneben...



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