Die russische Rentenreform

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domizil
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Die russische Rentenreform

Beitrag von domizil » Donnerstag 2. August 2018, 23:03

Die russische Rentenreform, sprich, die Anpassung des Rentenalters, wird in Russland genauso „begeistert“ diskutiert, wie vor einigen Jahren in Deutschland, wo das Rentenalter bereits angepasst wurde.

In Russland gab es niemals eine Anpassung des Renteneintrittsalters. Frauen sind mit 55 und Männer mit 60 Jahren in Rente gegangen.

Jetzt sollen Frauen mit 63 Jahren und Männer mit 65 Jahren in Rente gehen. Der Übergang soll schrittweise erfolgen und im Jahre 2028, also nach zehn Jahren abgeschlossen sein.

Die russische Gesellschaft diskutiert aktiv, demonstriert auf der Straße und insgesamt hat man den Eindruck, als ob keiner mit dieser Anpassung des Renteneintrittsalters einverstanden ist.

http://kaliningrad-domizil.ru/portal/in ... tenreform/

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Axel
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Re: Die russische Rentenreform

Beitrag von Axel » Freitag 3. August 2018, 00:10

Kann den Aufschrei nicht nachvollziehen. Gefühlt 100 % arbeiten auch nach dem Renteneintritt weiter, da ihre russische Krümelpension nicht zum Überleben reicht, also ob jemand jetzt mit 55 oder mit 63 ins Rentenalter einsteigt macht da wohl fast kaum einen Unterschied, da die meisten 55 Jährigen auch als Rentner weiterarbeiten, um ihre Pension aufzustocken. Das angehobene Rentenalter ist ja immer noch niedriger als hierorts. Ansonsten halte ich die Diskussion auch an der Realität vorbeigezogen, solche paradiesische Renteneintritte kann sich kein Staat der Welt auf Dauer leisten.

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Re: Die russische Rentenreform

Beitrag von m5bere2 » Freitag 3. August 2018, 04:07

Dann kommt noch dazu, dass die meisten Leute schwarz oder grau arbeiten... aber dann Rente ab 55/60 wollen. :shock:

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Re: Die russische Rentenreform

Beitrag von Wladimir30 » Freitag 3. August 2018, 09:18

Na ja, was die Leute wohl aufregt - unter anderem - ist die Tatsache, dass die Lebenserwartung in Russland deutlich geringer ist als in vielen anderen Ländern und deshalb die Chance, das Rentenalter überhaupt zu erreichen, wesentlich geringer geworden sind. Es ist ein psychologisches Problem, das man den rEst seines Lebens arbeiten muss und vor Eintritt in die Rente stirbt.

Deshalb sagen viele, dass diese Erhöhung durchaus hinnehmbar wäre, wenn die medizinische Versorgung - wenn nicht umsonst, dann wenigstens zu erschwinglichen Preisen - derart verbessert würde, dass die Lebenserwartung steigt.
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Re: Die russische Rentenreform

Beitrag von domizil » Freitag 3. August 2018, 10:16

... also die durchschnittliche Lebenserwartung liegt jetzt bei rund 74 Jahren. Das lag sie in Deutschland auch - damals, als die Erhöhung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre beschlossen wurde. Aber klar, das ist für den Russen natürlich uninteressant.

Und das die medizinische Betreuung schlecht ist - tja, die Begründung hierfür habe ich ja in meinem Videobeitrag auch genannt.

Ein Ausweg aus der jetzigen geplanten Erhöhung des Renteneintrittsalters sehe ich darin, dass die Schwarzarbeit, also "Lohn im Umschlag" beseitigt wird. Damit würden - denke ich, die Beiträge, die durch den Arbeitgeber in die Sozialkassen abgeführt werden müssen, mindestens !!! verdoppelt.

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Re: Die russische Rentenreform

Beitrag von Wladimir30 » Freitag 3. August 2018, 10:21

domizil hat geschrieben:
Freitag 3. August 2018, 10:16
dass die Schwarzarbeit, also "Lohn im Umschlag" beseitigt wird
War das vor einigen Jahren noch gang und gäbe, so ist dies meinem Empfinden und meinem Wissen nach bei weitem nicht mehr so verbreitet, wie es in dr Tat war.
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Re: Die russische Rentenreform

Beitrag von Wladimir30 » Freitag 3. August 2018, 10:25

domizil hat geschrieben:
Freitag 3. August 2018, 10:16
... also die durchschnittliche Lebenserwartung liegt jetzt bei rund 74 Jahren.
Wie sagte Churchill (oder wer sonst): Trau keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast. So viele Statistiken, so viele unterschiedliche Angaben. Habe ich jetzt gerade selber stichprobenartig ausprobiert.

In einem solch großen Land wie Russland von DER Lebenserwartung zu sprechen, verbietet sich von selbst. Zumindest nach Regionen geteilt, gar nicht mal nach ländlicher oder städtischer Bevölkerung, und und und.
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Re: Die russische Rentenreform

Beitrag von m1009 » Freitag 3. August 2018, 12:11

Es ist eine schrittweise Anhebung, wie ich das verstanden habe?

In den DE Medien war ja von jetzt auf gleich zu lesen.

Ich find die Anhebung voellig OK. 55/60 ist selbst fuer Russland eindeutig zu frueh. Das Gegenargument medizinische Versorgung hat sicher seine Berechtigung, wobei wohl (meiner Meinung nach) eher der Alkohol eine Rolle beim fruehen Ableben spielt.

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Re: Die russische Rentenreform

Beitrag von m1009 » Freitag 3. August 2018, 12:13

Wladimir30 hat geschrieben:
Freitag 3. August 2018, 10:21
domizil hat geschrieben:
Freitag 3. August 2018, 10:16
dass die Schwarzarbeit, also "Lohn im Umschlag" beseitigt wird
War das vor einigen Jahren noch gang und gäbe, so ist dies meinem Empfinden und meinem Wissen nach bei weitem nicht mehr so verbreitet, wie es in dr Tat war.
Der Meinung war ich auch, als ich noch den Luxus eines weissen Gehaltes hatte..... Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, das der ueberwiegende Teil der Arbeitgeber (selbst in Moskau) noch mit weiss und grau arbeitet..... Wobei ich nur von "meiner" Branche berichten kann....

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Re: Die russische Rentenreform

Beitrag von Norbert » Freitag 3. August 2018, 12:48

m1009 hat geschrieben:
Freitag 3. August 2018, 12:11
Ich find die Anhebung voellig OK. 55/60 ist selbst fuer Russland eindeutig zu frueh. Das Gegenargument medizinische Versorgung hat sicher seine Berechtigung, wobei wohl (meiner Meinung nach) eher der Alkohol eine Rolle beim fruehen Ableben spielt.
Absolut identisch zu meinen Gedanken.



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