Besuch in der Datschen-Gemeinschaft „Sieg“

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domizil
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Besuch in der Datschen-Gemeinschaft „Sieg“

Beitrag von domizil » Samstag 4. August 2018, 21:08

Besuchen Sie gemeinsam mit mir die Datschen-Gemeinschaft „Sieg“ im Norden der Stadt Kaliningrad. Schauen wir gemeinsam auf sowjetische Traditionen, die lange Jahre in Russland gepflegt wurden und die anscheinend jetzt sich charakterlich wandeln.

http://kaliningrad-domizil.ru/portal/in ... haft-sieg/

Uwe Niemeier
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Re: Besuch in der Datschen-Gemeinschaft „Sieg“

Beitrag von bella_b33 » Sonntag 5. August 2018, 02:45

Ich kann bei Datschen nicht mitreden....IMHO ein Städter-Phänomen.

Der Postbote kommt übrigens nicht nur "nicht in die Datschensiedlungen"! Bei uns bekommst nen Anruf, dann kannste zur Post fahren und Deinen Krempel abholen. Wenn Du Glück hast, bekommste noch die Strom oder Müllabrechnung für die Straße mitgegeben, dann kannste Die auch gleich noch austragen.
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Re: Besuch in der Datschen-Gemeinschaft „Sieg“

Beitrag von m5bere2 » Sonntag 5. August 2018, 05:03

Datschengemeinschaft "Pobeda" klingt ja normal ... bei Datschengemeinschaft "Sieg" hingegen dachte ich zuerst an ein Kollektiv Nazi-Nostalgiker. :lol:

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Re: Besuch in der Datschen-Gemeinschaft „Sieg“

Beitrag von Wladimir30 » Sonntag 5. August 2018, 06:53

m5bere2 hat geschrieben:
Sonntag 5. August 2018, 05:03
bei Datschengemeinschaft "Sieg" hingegen dachte ich zuerst
Das ist ein allgemeines Problem beim Übersetzen: Inwieweit sollen Eigennamen übersetzt werden? Allgemein werden diese nicht übersetzt. So sagt ja kein Mensch "Der Bucklige" zu "Gorbi", "Puschkin" wird auch nicht mit Kanonen in Verbidung gebracht, oder die Stadt "Kasan" mit einem "Topf". Nur,wenn es wichtig ist für das Verständnis, wird eine Übersetzung in Klammern oder in Anmerkungen hinzugefügt. Das ist meistens in der Literatur der Fall, wo es vom Autor speziell gewählte "sprechende Namen" gibt. Oder in solchen Fällen wie "Wladiwostok", wo die direkte Bedeutung, von dort aus den Osten zu beherrschen, Name und Programm ist.
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Re: Besuch in der Datschen-Gemeinschaft „Sieg“

Beitrag von m1009 » Sonntag 5. August 2018, 09:26

bella_b33 hat geschrieben:
Sonntag 5. August 2018, 02:45
Bei uns bekommst nen Anruf, dann kannste zur Post fahren und Deinen Krempel abholen.
Wird daran liegen, das Ihr nicht zum angrenzenden Dorf gehoert?



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Wladimir30
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Re: Besuch in der Datschen-Gemeinschaft „Sieg“

Beitrag von Wladimir30 » Sonntag 5. August 2018, 09:46

bella_b33 hat geschrieben:
Sonntag 5. August 2018, 02:45
Ich kann bei Datschen nicht mitreden....IMHO ein Städter-Phänomen.
Klar, ist eine Datscha für jemanden, der auf dem Dorf wohnt, nicht nötig, sondern sogar unsinnig. Deshalb ist es logischeweise ein Städterphänomen.

Uwe hat aber recht, dass es sich um ein Überbleibsel aus Sowjetzeiten handelt, wobei es historisch weniger der Sowjetregierung zuzuordnen ist, sondern der urrussischen Verwurzelung in der eigenen Erde (die sich die Sowjetregierungen zunutze gemacht haben). Da kann man drüber lachen oder es als Humbug abtun, es ist aber nachweisbar ein tiefer Zug der russischen Mentalität. Man sieht es kokret u.a. daran, dass auch viele, die es sich finanziell leisten können, auf die Selbstversorgung mittels eigener Datscha zu verzichten, dennoch eine solche haben.

Nun kann man der Datschennostalgie hinterher trauern, und in der Tat war so eine Datschensiedlung ein Kern des Selbstvertändnisses "der Russen". Ein wichtiger Apsekt fehlt mir in Uwes wirklich nettem und amüsantem Beitrag. Die Verwischung der Standesgrenzen, die im Alltagsleben sehr streng eingehalten wurden. Hier, in der bunt zusammengewürfelten Zusammensetzung, wo jeder dein Nachbar sein konnte, haben sich Leute völlig verschiedener Stnadeszugehörigkeiten nachbarschaftlich nahe gestanden, sich gegenseitig geholfen, miteinander gegessen und getrunken.

Nun wird es wohl so kommen, wie es ja schon allerorten seit einiger Zeit sichtbar wird: diejenigen, die es sich leisten können, werden ihr Grundstück und die Bauten darauf aufpeppen.die Nachbarn, die es sich nicht leisten können, werden weiterhin ihr Datschendasein so frönen, wie es im Bericht gezeigt wird. Änderungen wird es auch hier geben, das Leben geht ja weiter. Aber die Funktion der Gleichmacherei, die wird wohl verloren gehen. Damit wird ein weiterer Zug des modernen Lebens zementiert werden.
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Re: Besuch in der Datschen-Gemeinschaft „Sieg“

Beitrag von domizil » Sonntag 5. August 2018, 10:15

m5bere2 hat geschrieben:
Sonntag 5. August 2018, 05:03
Datschengemeinschaft "Pobeda" klingt ja normal ... bei Datschengemeinschaft "Sieg" hingegen dachte ich zuerst an ein Kollektiv Nazi-Nostalgiker. :lol:
... den Beitrag habe ich in erster Linie für zwei Facebook-Gruppen erarbeitet, wo sich Leute für "Ostpreußen", dem heutigen Kaliningrad, interessieren. Und da die meisten dort mit "Pobeda" nichts anzufangen wissen, wurde kurzerhand übersetzt. Ich dachte mir, da wir ja auch vom "Tag des Sieges" sprechen und nicht vom "Tag Pobeda", da kann ich auch in die "Sieger"-Datschenanlage fahren.

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Re: Besuch in der Datschen-Gemeinschaft „Sieg“

Beitrag von bella_b33 » Sonntag 5. August 2018, 16:58

m1009 hat geschrieben:
Sonntag 5. August 2018, 09:26
Wird daran liegen, das Ihr nicht zum angrenzenden Dorf gehoert?
Doch doch, wir gehören zu Denen und müssen bei Fragen, Sorgen, Nöten und Anregungen immer dort zu Administration hin.
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Re: Besuch in der Datschen-Gemeinschaft „Sieg“

Beitrag von Norbert » Montag 6. August 2018, 08:40

m1009 hat geschrieben:
Sonntag 5. August 2018, 09:26
bella_b33 hat geschrieben:
Sonntag 5. August 2018, 02:45
Bei uns bekommst nen Anruf, dann kannste zur Post fahren und Deinen Krempel abholen.
Wird daran liegen, das Ihr nicht zum angrenzenden Dorf gehoert?
Bei uns kam über ein halbes Jahr nicht einmal im zentralen Stadtbezirk die Post. Postbote hatte gekündigt, war die profane Auskunft. Wenn man hartnäckig in der Post nachhakte, bekam man eine Kiste aller gefühlt 2000 nicht ausgetragenen Briefe zum Durchsuchen vor die Nase gestellt. Sehr spannende Post darin - bis hin zu Post vom Gericht, ...

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Re: Besuch in der Datschen-Gemeinschaft „Sieg“

Beitrag von Komimort » Montag 13. August 2018, 00:36

Hallo Uwe!
Danke für den originelle Reportage. Ich wohne ganz in der Naehe und es war sehr interessant fuer mich. Ich und mein Sohn gehen dort ab und zu spazieren und beobachten diese unansehnliche Realität...
Sie haben in Ihrem Video nicht die Ruinen deutscher Befestigungen gezeigt, die heute die Anwohner von "Pobeda"als Müllhalden nutzen. Eine Umspannstation, die schrecklichen Lärm und schädliche Strahlung erzeugt...
Aber ich glaube, diese Gemeinschaft wird allmählich verschwinden und Wohnhäuser werden an diesem Ort gebaut, wie in der Platowa- und Malaja Lesnaja Strassen.
Wohnen Sie in "Nördlicher Berg" auch?



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