Deutsche Bürokratie

Für alle Kommunikationssüchtigen. Hier wird getratscht, geflirtet und gepostet bis zum Abwinken. Das besondere an dieser Rubrik? Themen in denen 2 Tage Funkstille herrscht werden bedingungslos abgeräumt.
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Norbert
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Re: Deutsche Bürokratie

Beitrag von Norbert » Donnerstag 13. September 2018, 22:10

Es gibt ja so Initiativen für einfaches Deutsch in Behördenpost. Und ich finde das wäre hier dringend nötig. Denn wirklich nachvollziehbar ist diese Logik nicht, dass ein Bescheid ab August keine Ablehnung des Juli impliziert. Denn mit dieser Argumentation sind alle Widersprüche sinnlos, denn wenn sie mir beispielsweise zu wenig geben, wäre ein Einspruch dagegen sinnlos, denn sie hätten ja nicht ausgeschlossen, dass es ebenso mehr sein könnte, wenn man nochmals einen Brief schreibt. ;-)

Also auf so eine Logik können nur Beamte und Politiker kommen, bei denen der Lohn nicht vom Nutzen der Arbeit abhängt. Ehrlich. (Als Mitarbeiter eines KMU schüttelt man über solchen Quatsch nur den Kopf.)



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Re: Deutsche Bürokratie

Beitrag von lausi » Freitag 14. September 2018, 03:28

Mit dem angefochtenen Bescheid wurden Rechte des Einspruchsführers - insbesondere hinsichtlich des Kindergeldanspruches [...] für den Monat Juli 2018 - weder begründet noch geändert, entzogen oder festgestellt, denn eine Entscheidung über den diesbezüglichen Rechtsanspruch des Einspruchsführers wurde mit dem angefochtenen Bescheid nicht getroffen.

Mit einer Rechtsschutzversicherung in der Hinterhand könnte man dagegen klagen, denn sehr wohl wurde (m.E.) mit dem Bescheid eine Entscheidung über den Juli getroffen, nämlich das Kindergeld trotz Antrag nicht bewilligt.
Vielleicht ändert sich das Gebaren der Familienkasse dann in der Zukunft...
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(Angela Merkel bei Anne Will)

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Re: Deutsche Bürokratie

Beitrag von Dietrich » Freitag 14. September 2018, 10:00

Hast du dich erkundigt, wann mit einem Entschluss in Bezug auf den Monat Juli gerechnet werden kann, bzw. ob es eine Frist von Seiten der Verwaltung gibt, deinen Antrag entweder abzulehnen oder ihm zuzustimmen?

Aber du hast schon recht. Für solch einen Wortmüll gehört eigentlich jemand mit einer großen Dachlatte verprügelt....
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
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Re: Deutsche Bürokratie

Beitrag von Norbert » Freitag 14. September 2018, 10:53

Ich habe aktuell eine E-Mail geschrieben mit der Bitte, mir den Brief nochmals für einen deutschen Muttersprachler verständlich zu erklären. Bezüglich Juli warte ich noch. Der letzte Bescheid dauerte reichlich zwei Wochen nach Nachreichung der letzten Dokumente.

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Re: Deutsche Bürokratie

Beitrag von Dietrich » Freitag 14. September 2018, 12:58

Das was du suchst, nennt sich "leichte Sprache"
https://www.bundesfachstelle-barrierefr ... A07274AC1D
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Re: Deutsche Bürokratie

Beitrag von Norbert » Freitag 14. September 2018, 13:56

Genau, ich hielt das bislang für "übertrieben". Aber wenn man solche Briefe erhält, wird plötzlich klar, dass so etwas extrem viele Leute ausschließt. Wenn schon Akademiker, welche im alltäglichen Leben irgendwelche komplexen Texte gewöhnt sind, nicht mehr schlau daraus werden, was nun genau der Grund für die Ablehnung ist, wie soll es dann eine Hauptschulabgänger mit Hartz IV oder gar ein Nichtmuttersprachler begreifen?

In meinen Augen wäre hier korrekt, dem Bürger einen Brief zu schreiben, in welchem klar verständlich steht: "Aus formellen Gründen ist in ihrem berechtigten Fall ein Widerspruch nicht die korrekte Formulierung, aber selbstverständlich wird Ihr Anliegen dennoch in Ihrem Sinne bearbeitet. Für Juli ergeht daher folgender Bescheid: ..."

(Davon abgesehen, dass ich das selbst nach der Erläuterung für sehr gewagt halte. Dann wäre wie schon gesagt auch ein Bescheid über 1 Cent Kindergeld nicht widerspruchsberechtigt, weil die restlichen 193.99 Euro mit so einem Bescheid nicht ausgeschlossen sind.)

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Re: Deutsche Bürokratie

Beitrag von Evgenij » Freitag 14. September 2018, 14:53

Im Prinzip spielt es nicht SO große Rolle, ob du den Begriff eines "Widerspruchs" oder "Einspruchs" verwendest (im Steuerrecht heißt es eben Einspruch, sonst meist Widerspruch), kann man im Grunde auch ganz ohne diese Begriffe auskommen/einen Rechtsbehelf einlegen, muss aus dem Wortlaut nur abzulesen sein, dass man mit dem Sachverhalt nicht einverstanden ist.

Zum Text:
So wie ich den verstehe, kann es auf einem Missverständnis des Sachbearbeiters beruhen.. der könnte z.B. wirklich euren Antrag so verstanden/gewertet haben, dass KG erst ab August (ab Datum des gest. Antrages) laufen soll und nicht rückwirkend
(Habt Ihr die nötigen Nachweise dbzgl. denen rechtzeitig vorgelegt?)

Bei dem ergangenen Bescheid handelt es sich wirklich um einen VA (Verwaltungsakt)?
..die reiten mir zu sehr auf diesem Begriff herum (stand da eine Rechtsbehelfsbelehrung mit den Fristen überhaupt dabei?)
Kann auch "nur" ein vorläufiges Schreiben gewesen sein (ohne, dass man dagenen irgendwelche Rechtsbehelfe einsetzen kann)

Wenn es sich wirklich um ein Missverständnis gehandelt haben soll, und die den Antrag als einen solchen ab August wahrgenommen haben - so ist (in ihren Augen) der richtige Bescheid ergangen; und mit Deinem Widerspruch klänge das Ganze so, als ob Du das KG für August beanstanden würdest/wolltest.
Im Grunde hättest Du gar keinen Einspruch/Widerspruch einlegen brauchen - nur eben einen (weiteren) ("richtigen") Antrag für den Monat Juli stellen sollen.

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Re: Deutsche Bürokratie

Beitrag von Norbert » Freitag 14. September 2018, 15:24

Das lustige ist halt, im Antrag gibt es kein Feld "ab wann" man Kindergeld beantragt. Weil in den meisten Fällen ist das halt "ab Geburt". Wenn jemand umzieht, dann meist in der EU und dann offensichtlich ab dem Monat, in dem es kein Geld mehr im anderen EU-Staat gab. Wir waren quasi der Sonderfall, weil Umzug aus dem Nicht-EU-Land ohne Kindergeld.

Aber "ab wann" ist quasi nur die Meldebescheinigung im neuen Wohnort. Diese lag bei.

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Re: Deutsche Bürokratie

Beitrag von Magdeburg-Moskva » Samstag 15. September 2018, 21:47

Ich vermute einfach, dass die in den Großstädten massenweise arbeiten müssen und somit vieles schiefgeht. Aber niemand auf Behördenseite gibt Fehler zu. Nie. Habe gerade so meinen Spaß mit dem deutschen Finanzamt. Die beziehen sich auf Bescheide, die ich nie erhalten habe. (Fast wie Russland).

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Re: Deutsche Bürokratie

Beitrag von Okonjima » Montag 17. September 2018, 15:25

Magdeburg-Moskva hat geschrieben:
Samstag 15. September 2018, 21:47
Aber niemand auf Behördenseite gibt Fehler zu. Nie.
Da sprichst Du ein wahres Wort. Und gerade in Norberts Fall wäre es doch wirklich einfach zu sagen "Entschuldigung, da gibts ein
Mißverständnis bzw. einen Fehler. Der Betrag wird umgehend nachberechnet und nachgezahlt!"
Und alles wäre gut.

Die meisten Deppen in deutschen Ämtern wären in der freien Wirtschaft hoffnungslos verloren!
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Alexander v.Humboldt



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