Wohneigentum in Moskau, Familienkonflikt durch gerechte Aufteilung.

Du willst eine russisch-deutsche Ehe eingehen, die allgemeinen Tipps im Internet helfen Dir aber nicht mehr weiter? Oder Du bist schon russisch-deutsch verheiratet und hast einen guten Rat für andere binationale Ehen? Dann melde Dich hier zu Wort!

Moderator: Dietrich

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 11789
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Wohneigentum in Moskau, Familienkonflikt durch gerechte Aufteilung.

Beitrag von Norbert » Freitag 14. Juni 2019, 16:06

Mein Eindruck ist, dass hier beide Seiten etwas auf stur schalten, und in diesem Moment muss irgendeine Seite einen erheblichen Schritt nach vorn machen, damit sich eine Lösung ergibt, bei welcher beide Seiten das Gesicht wahren können.

Deine Frau hat über Jahre nicht sauber geklärt, wie der Status der Wohnung ist. Faktisch durfte das Zimmer bei Abwesenheit genutzt werden, wenn im Gegenzug dafür die Nebenkosten dieser Quadratmeter getragen werden. Inzwischen ist die Familie jedoch so gewachsen, dass dieses Zimmer für ein geordnetes Familienleben notwendig ist. Es wird also nicht mehr nur bei Abwesenheit genutzt, sondern immer.

Jetzt kommen viele Mimimi: Deine Frau findet es unverschämt, dass das Zimmer genutzt wird, auch wenn sie da ist. Deine Schwiegertochter findet es unverschämt, dass dies überhaupt in Frage gestellt wird, obwohl sie doch so liebe Enkelkinder in die Welt gesetzt hat, für welche Deine Frau gern Oma sein sollte. Der Schwiegersohn findet es unverständlich, dass die im vergoldeten Westen lebende Schwiegermutter das Zimmer nicht einfach abtritt. Du findest es unverständlich, dass die Schwiegertochter nicht arbeiten geht, ihr aber zugleich das Zimmer abtreten sollt.

All diese Dinge sind aus der jeweiligen Perspektive irgendwo nachvollziehbar, wenn man es mal nüchtern betrachtet. Dass man überhaupt noch miteinander redet, liegt am Willen, eine Familie zu bleiben. Das äußerst ja auch Du in Deinen Hinweisen, dass Dir daran gelegen ist.

Die Variante, dass das Zimmer nicht genutzt wird, ist albern und unrealistisch. Klappt sowieso nicht. Ich sehe folgende Auswege:
(1) Juristischer Streit. Wäre dumm, daran zerbricht die Familie.
(2) Wohnung wird verkauft, Geld geteilt, jeder macht damit, was er will. Aber auch das führt vermütlich über (1).
(3) Ihr lasst Euch auskaufen. Wenn das klappen soll, müsst Ihr einen spürbaren Schritt machen. Sprich einen Preis, der deutlich zeigt, dass Euch der Familienfrieden wichtiger ist als das Prinzip.

Angenommen der Marktpreis ist 180.000 Euro, aber ihr verkauft die Hälfte Deiner Frau für 60.000 Euro. Dann habt ihr klare Tatsachen, weil ihr großzügig wart. Die Familie kann bei 0 neu starten. Man kann Euch auch nicht vorwerfen, dass Ihr unverschämt wärt. Als Argument habt ihr auch, dass Deine Ehefrau eine ruhige Bleibe in Moskau braucht und ihr ohne diese 60.000 Euro keine Basis dafür habt.



Benutzeravatar
Dietrich
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 7818
Registriert: Mittwoch 25. Februar 2004, 13:54
Wohnort: Wiesbaden

Re: Wohneigentum in Moskau, Familienkonflikt durch gerechte Aufteilung.

Beitrag von Dietrich » Freitag 14. Juni 2019, 16:21

Norbert, glaubt du wirklich - nach der Beschreibung der Verhältnisse - Variante 3 führt nicht über 1?

Die werden noch nicht mal bereit sein, 10k€ für das Zimmer zu zahlen, geschweige denn 60k€
Wovon auch?

Und selbst wenn sie zustimmen, so kommt bestimmt nach ein paar Monaten irgendwas dazwischen und die Zahlungen werden ausgesetzt... Auto geht kaputt, Kind wird krank, Wetter ist mies....

Und ganz ehrlich: Ich kenne Leute die zu 7 (Eltern, drei Kinder, Oma und Opa) in einer 2-Zimmer-Wohnung in Moskau leben. Und das ist, glaube ich, nichts besonderes. Es da als "nicht zumutbar" zu bezeichnen, mal für ein paar Wochen im Jahr zusammenzurücken, wenn die Oma zu Besuch kommt? Lächerlich.

Das Zimmer ansonsten die ganze Zeit abzuschließen halte ich allerdings auch für übertrieben.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 11789
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Wohneigentum in Moskau, Familienkonflikt durch gerechte Aufteilung.

Beitrag von Norbert » Freitag 14. Juni 2019, 17:05

Stimmt, ich habe vergessen:

(4) Lasst es wie es ist, aber klärt den Status, wenn Deine Frau zu Besuch kommt.

DiBo
Grünschnabel
Beiträge: 17
Registriert: Samstag 1. Juni 2019, 10:44

Re: Wohneigentum in Moskau, Familienkonflikt durch gerechte Aufteilung.

Beitrag von DiBo » Samstag 15. Juni 2019, 00:43

Norbert hat geschrieben:
Freitag 14. Juni 2019, 17:05
Stimmt, ich habe vergessen:

(4) Lasst es wie es ist, aber klärt den Status, wenn Deine Frau zu Besuch kommt.
Das möchten offensichtlich im Moment alle Beteiligten! Die Stieftochter mit den Enkelkindern ist gerade in Deutschland und niemand möchte die "Harmonie" stören.
Wie ich schon sagte, gegenwärtig halte ich mich absolut raus und mir sagt auch niemand etwas, weil sie gern auf meine Ansichten verzichten möchten.
Meine Frau wird sicherlich letztendlich einen Rückzieher machen. Mittlerweile gehe ich fest davon aus, dass von der Tochter nicht ein Rubel zur Mutter rollen wird!
Es wird sicherlich auch so kommen, dass die Tochter in Zukunft versuchen wird, Konflikte, die während Besuche meiner Frau in Russland entstehen können, zu vermeiden.
Das Problem wird nicht gelöst, bis es sich irgendwann von allein lösen wird, nämlich dann, wenn wir uns von dieser Welt verabschieden werden.
Ende Juni, wenn die Tochter wieder in Moskau sein wird, werde ich erst wieder mit meiner Frau darüber sprechen.
Ich selber bin sehr gespannt, aber ohne besondere Erwartungen.
Ergebnisse, egal wie sie aussehen werden, werde ich hier natürlich mitteilen!

Benutzeravatar
Wladimir30
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 4246
Registriert: Dienstag 7. Oktober 2014, 11:14
Wohnort: Celle / Wladimir

Re: Wohneigentum in Moskau, Familienkonflikt durch gerechte Aufteilung.

Beitrag von Wladimir30 » Samstag 15. Juni 2019, 17:56

Irgendwie eine blöde Geschichte. Infolge dieser Privatisierungswelle in den 90ern gibt es sicherlich viele vergleichbare Fälle in Russland.

Wer hat hier Schuld? Aufgrund der Schilderungen ist diese Situation im Laufe der Jahre gewissermaßen von selbst entstanden, wobei wohl anfänglich jeder im besten Wissen und Gewissen gehandelt hat, so nach dem Motto "Wir sind eine Familie, es wird da keine großen Pobleme geben." Ich könnte keinen Moment ausmachen, an dem jemand der Handelnden wirklich einen Fehler gemacht hat. Der Zahn der Zeit hat hier sein Werk getan.

Was lernen wir daraus? So blöd es klingt, aber beim Geld hört die Freundschaft eben auf. Man sollte - verwandtschaftliche Befindlichkeiten hin oder her - möglichst frühzeitig klare Verhältnisse schaffen. Je länger man wartet, desto undurchdringlicher wird das Dickicht an Verbindlicheiten, Erwartungen und Möglichkeiten. Das gilt dann genauso bei Erbschaftsfragen, wo aus nahestehenden Verwandten plötzlich erbitterte Feinde werden können.

Euch, DiBo und Fmilie viel Glück weiterhin. Ihr versucht ja wohl noch, mit größtmöglicher Geduld die Familienbande zu erhalten.
Jon Snow knew nothing - Now he knows everythig..... And the big battle is over



Benutzeravatar
Bobsie
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 497
Registriert: Mittwoch 15. August 2018, 17:32
Wohnort: Taganrog

Re: Wohneigentum in Moskau, Familienkonflikt durch gerechte Aufteilung.

Beitrag von Bobsie » Samstag 15. Juni 2019, 19:26

Wie haben wir das gemacht? Nach unserer Heirat 2005 reiste ich mit einem Halbjahresvisum für 6 Monate nach Russland, mit dem Auto. Damals konnte man noch 6 Monate am Stück bleiben.
Meine Frau verkaufte ihre 4 Zimmer Wohnung und das Geld ging zu gleichen Teilen an ihre beiden Kinder. Ebenson wurden ihre Möbel aufgeteilt. Ich durfte bei der Wohnungssuche helfen, als Kutscher. Es gab auch verschiedene Tricks der Mackler bei der Wohnungssuche, so hiess es einmal: Hier wohnte ein Alkoholiker die Wohnung ist seit 4 Wochen nicht mehr bewoht, wenn sie 20000 Rubel anzahlen, können sie dien Wohnung haben. 4 Wochen unbewohnt? Auf der Erde lagen frische, noch gelbe Bananenschalen, die eine gewisse Herruntergekommenheit vorzeigen sollten
Natürlich wurde die Wohnung nicht genommen und nach einem Gespräch mit den Nchbarn stellte sich heraus, dass da ein kräftiger Betrug mit der Anzahlung am Laufen war. Mit uns aber nicht.
Da die Familie und ich immer noch in der schon verkauften Wohnung wohnten, tauchte eines Tages die Polizei auf, wo der in der Wohnung registrierte Deutsche sich befand. Sie waren zufrieden, als ich mich ausgewiesen hatte und die Sachlage geklärt war.

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 11789
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Wohneigentum in Moskau, Familienkonflikt durch gerechte Aufteilung.

Beitrag von Norbert » Montag 17. Juni 2019, 10:01

DiBo hat geschrieben:
Samstag 15. Juni 2019, 00:43
Meine Frau wird sicherlich letztendlich einen Rückzieher machen. Mittlerweile gehe ich fest davon aus, dass von der Tochter nicht ein Rubel zur Mutter rollen wird!

[...]

Das Problem wird nicht gelöst, bis es sich irgendwann von allein lösen wird, nämlich dann, wenn wir uns von dieser Welt verabschieden werden.
Ende Juni, wenn die Tochter wieder in Moskau sein wird, werde ich erst wieder mit meiner Frau darüber sprechen.
Ich selber bin sehr gespannt, aber ohne besondere Erwartungen.
Hast Du eventuell mehr Erwartungen als Deine Frau? Mir klingt es ein wenig danach.

Familiäre Beziehungen sind in Russland wesentlich stärker als in Deutschland. Dafür wird sehr viel getan, und es sollte nicht an den Finanzen scheitern. Mit deutscher Logik und Effizienz kann man das nicht wirklich verstehen.

DiBo
Grünschnabel
Beiträge: 17
Registriert: Samstag 1. Juni 2019, 10:44

Re: Wohneigentum in Moskau, Familienkonflikt durch gerechte Aufteilung.

Beitrag von DiBo » Dienstag 18. Juni 2019, 12:42

Bobsie hat geschrieben:
Samstag 15. Juni 2019, 19:26
Wie haben wir das gemacht? Nach unserer Heirat 2005 reiste ich mit einem Halbjahresvisum für 6 Monate nach Russland, mit dem Auto. Damals konnte man noch 6 Monate am Stück bleiben.
Meine Frau verkaufte ihre 4 Zimmer Wohnung und das Geld ging zu gleichen Teilen an ihre beiden Kinder. Ebenson wurden ihre Möbel aufgeteilt. ...
Vielen Dank "Bobsie"!
Deine Frau hat also komplett auf ihren "Anteil" verzichtet!? Warum hat sie das getan? Auch wenn es komisch klingt, es ist eine ernst gemeinte Frage.
Auch eure Ehe hätte scheitern können und in dem Fall wäre sie sicherlich nicht in Deutschland geblieben, sondern zurück nach Russland gegangen.
Du bist finanziell "gut gestellt",so dass du am Stück 6 Monate in Russland bleiben konntest? Du konntest deiner Frau von Anfang an finanzielle Sicherheit garantieren, so dass sie "leichtfertig" auf ihr Eigentum verzichtet hat?

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 11789
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Wohneigentum in Moskau, Familienkonflikt durch gerechte Aufteilung.

Beitrag von Norbert » Dienstag 18. Juni 2019, 13:06

DiBo hat geschrieben:
Dienstag 18. Juni 2019, 12:42
Deine Frau hat also komplett auf ihren "Anteil" verzichtet!? Warum hat sie das getan? Auch wenn es komisch klingt, es ist eine ernst gemeinte Frage.
Deine Frage ist vollkommen berechtigt. Aber aus russischer Sicht ist dies innerhalb einer Familie relativ normal. Die Wohnung ist ja nicht weg, sie bleibt in der Familie. Wenn es wirklich dazu kommt, dass die Ehe scheitert und man zurückkehrt, dann ist es aus denselben Beweggründen ganz normal, dass die Mutter wieder aufgenommen wird. Ohne zu fragen, ob sie noch einen Anteil hat oder nicht.

Sicher gibt es nicht wenige Fälle, wo dies dann doch zu Streit führt (wie bei Deiner Frau im Urlaub). Aber der Normalfall ist eben, dass Eltern sich in Russland aktiv an der Wohnraumfrage der nächsten Generation beteiligen. (Meiner Frau wurde zu unserer Hochzeit eine kleine Wohnung geschenkt, als Start in das Familienleben. Bei vielen Freunden haben die Eltern aktiv an der Kredittilgung mitgewirkt. Etc. Das letzte Hemd hat eh keine Taschen.)

Genauso ist aber auch der Normalfall, dass Eltern bis zum Tod betreut werden. Altersheime gibt es im Vergleich zu Deutschland fast keine.

Ich meine, da denken wir zu deutsch.

DiBo
Grünschnabel
Beiträge: 17
Registriert: Samstag 1. Juni 2019, 10:44

Re: Wohneigentum in Moskau, Familienkonflikt durch gerechte Aufteilung.

Beitrag von DiBo » Dienstag 18. Juni 2019, 13:38

Norbert hat geschrieben:
Montag 17. Juni 2019, 10:01
Hast Du eventuell mehr Erwartungen als Deine Frau? Mir klingt es ein wenig danach.

Familiäre Beziehungen sind in Russland wesentlich stärker als in Deutschland. Dafür wird sehr viel getan, und es sollte nicht an den Finanzen scheitern. Mit deutscher Logik und Effizienz kann man das nicht wirklich verstehen.
Ja Norbert, ich gebe dir Recht! Hier prallen wirklich verschiedene Kulturen aufeinander.
Die Mutter hat sich (zum Teil) für die "deutsche Logik und Effizienz" entschieden, die Tochter lebt weiterhin im russischen System, in der russischen Wertewelt. Ich merke auch, dass ich mit den Erziehungsmethoden der Tochter sehr oft nicht einverstanden bin! Und natürlich werden aus den Enkelkindern Russen werden, wie wir sie alle kennen.

Norbert, du schreibst, ob ich eventuell mehr Erwartungen als meine Frau habe. In diesem Zusammenhang denke ich mittlerweile auch über die Beziehung zu meinen leiblichen Kindern nach. Wie würde ich mich verhalten?
Ich hatte hier bereits die Worte „leistungsloses Einkommen“ verwand. Meine Kinder habe ich so erzogen, dass sie eigenverantwortliche Persönlichkeiten geworden sind. Meine Söhne, die jünger als die Töchter sind, wären niemals auf die Idee gekommen, sich von mir eine Haus oder eine Wohnung schenken zu lassen. Verstehst du, wohin ich will? Und wieder geht es um Gerechtigkeit!
Ich war das fünfte von sechs Kindern meiner Eltern. Das war und ist gelebte Gerechtigkeit! Alle meine Geschwister (und auch ich) hatten alte und selbst zusammengebaute Fahrräder. Mit 12 Jahren hatte ich genug eigenes Geld „erarbeitet“, so dass ich mir ein neues Fahrrad aus dem Geschäft kaufen konnte. Ich wollte dieses Fahrrad und habe dafür eine besondere Leistung erbracht.
Die Tochter und ihr Ehemann in Moskau werden niemals den wirklichen Wert der Wohnungen begreifen. Gegenwärtig wird über den Neukauf eines zweiten Familienautos nachgedacht (kreditfinanziert). Und die meisten unter uns wissen, wie „gut“ man in Moskau mit einem PKW voran kommt (пробка/Stau, die nächste Metro ist 800 Meter entfernt). Mir geht es um die Sinnhaftigkeit und dem Umgang mit Geld!

Ich freue mich über jede Antwort zum Thema hier. Ich bin dabei, mir eine Meinung zu bilden und einen Standpunkt zu finden.

[Danke]



Antworten

Zurück zu „#Partnerschaft | #Ehe“