Russische Staatsbürgerschaft für Spätaussiedler

Welche Unterlagen werden für ein Visa nach Russland benötigt, was ist eine Migrations-Karte, Probleme mit der Registrierung ... Hilfe findest Du hier.

Moderator: Dietrich

sencoj
Grünschnabel
Beiträge: 11
Registriert: Dienstag 25. Januar 2011, 04:57

Russische Staatsbürgerschaft für Spätaussiedler

Beitrag von sencoj » Dienstag 19. November 2019, 06:47

Hallo zusammen!

Gibt es erfahrungsgemäß einen einfachen (z.B. über das Konsulat) Weg die russische Staatsbürgerschaft zu erlangen / wiederherzustellen unter den folgenden Voraussetzungen und Bedingungen?

- Spätaussiedler, deutscher Staatsbürger, in RF geboren, Ende der 80er als Kind nach Deutschland eingewandert, Soviet Staatsbürgerschaft wurde nie abgelegt
- Russische Ehefrau
- 5 Jahre als VKS in RF gearbeitet
- Russische Sprachkenntnisse vorhanden
- Vorerst kein permanenter Aufenthalt in RF geplant, nur sporadisch im Lande
- Deutscher Pass sollte erhalten bleiben

Einige der Voraussetzungen berechtigen bekannterweise zum Erwerb der Staatsbürgerschaft, aber wie ich verstehe sollte dafür ein permanenter Aufenthalt in RF bestehen.

Ich werde mir die entsprechenden Gesetze durchlesen und dieses Thema mit der Botschaft klären, aber vielleicht hat ja jemand hier schon Erfahrungen damit.

Besten Dank!

sc



Benutzeravatar
m5bere2
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2406
Registriert: Freitag 14. September 2012, 19:22
Wohnort: Nowosibirsk

Re: Russische Staatsbürgerschaft für Spätaussiedler

Beitrag von m5bere2 » Dienstag 19. November 2019, 09:10

Ohne permanenten Aufenthalt kriegen die russische Staatsbürgerschaft nur berühmte Schauspieler und Sportler (wie Depardieu und Seagal) nach dem Präsidentenparagraphen (der jedem einfach so die Staatsbürgerschaft verleihen darf).

Das mit dem Erhalt des deutschen Passes ist die nächste Schwierigkeit: wer eine andere Staatsangehörigkeit annimmt, verliert die Deutsche automatisch, außer es wurde vorher eine Beibehaltungsgenehmigung der deutschen Behörden erteilt. Die erteilen die aber nur höchst selten wenn man gut begründet, warum man unbedingt die Deutsche behalten und die Russische annehmen möchte. Da du gar nicht in Russland wohnen möchtest, wird es mit der Begründung sehr schwierig ("dann brauche ich kein Visum mehr" zählt jedenfalls nicht).

sencoj
Grünschnabel
Beiträge: 11
Registriert: Dienstag 25. Januar 2011, 04:57

Re: Russische Staatsbürgerschaft für Spätaussiedler

Beitrag von sencoj » Dienstag 19. November 2019, 10:19

Danke für die Antwort!

Dann werde ich wohl bis zu meinem nächsten längeren Aufenthalt warten müssen.

Bezüglich Beibehaltungsgenehmigung dachte ich, es sei leichter für Aussiedler. Laut Einwohnermeldeamt habe ich auch noch die Soviet Staatsbürgerschaft. Hier habe ich das Problem eher auf russischer Seite vermutet.

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 11983
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Russische Staatsbürgerschaft für Spätaussiedler

Beitrag von Norbert » Dienstag 19. November 2019, 11:28

sencoj hat geschrieben:
Dienstag 19. November 2019, 10:19
Bezüglich Beibehaltungsgenehmigung dachte ich, es sei leichter für Aussiedler. Laut Einwohnermeldeamt habe ich auch noch die Soviet Staatsbürgerschaft. Hier habe ich das Problem eher auf russischer Seite vermutet.
Es bleibt ein Spiel mit dem Feuer. Klar, Du sagst dann einfach erst einmal, Du hättest die russische nie verloren, daher musstest Du sie auch nie annehmen, daher wird Dir die deutsche auch nicht weggenommen.

Letztlich zählt aber nicht, wie Dich das Einwohnermeldeamt führt, sondern die gesetzliche Lage. Und die kann durchaus bei Beantragung eines neuen Personalausweises o.ä. geprüft werden. Und wenn sich dann herausstellt, dass Du zu jener Gruppe von Spätaussiedlern gehörst, welche die russische Staatsbürgerschaft nicht behalten durften, dann bedeutet die Wiederaufnahme der russischen Staatsbürgerschaft ohne Beibehaltigungsgenehmigung eben automatisch den Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft. Dafür gibt es keinerlei Verjährungsfristen.

Es gibt wohl Personen, die in dieser Konstellation nicht mehr über deutsche Flughäfen fliegen, damit es keine entsprechenden Fragen der Grenzer gibt ... . Auch ich (beide Staatsbürgerschaften) musste bei Anmeldung an meinem deutschen Wohnort meine Beibehaltigungsgenehmigung vorzeigen. (Die Beamtin wurde ziemlich unruhig, als sie von der zweiten Staatsangehörigkeit hörte - scheinbar stellte sie sich schon moralisch darauf ein, meinen Pass einbehalten zu müssen.)

sencoj
Grünschnabel
Beiträge: 11
Registriert: Dienstag 25. Januar 2011, 04:57

Re: Russische Staatsbürgerschaft für Spätaussiedler

Beitrag von sencoj » Dienstag 19. November 2019, 12:52

Norbert hat geschrieben:
Dienstag 19. November 2019, 11:28
sencoj hat geschrieben:
Dienstag 19. November 2019, 10:19
...
Es bleibt ein Spiel mit dem Feuer. Klar, Du sagst dann einfach erst einmal, Du hättest die russische nie verloren, daher musstest Du sie auch nie annehmen, daher wird Dir die deutsche auch nicht weggenommen.

...
Norbert, danke für die Antwort!

Ich verstehe grundsätzlich die Risiken solcher Aktionen und habe nicht vor, ohne gründliche Abklärung mit den Ämtern etwas zu unternehmen.

Welche Staatsbürgerschaft war es denn, die Du als zweite erlangt hast?

Ist es realistisch eine Beibehaldungsgenehmigung in meiner Lage zu bekommen? Ich würde argumentieren, ich hätte 2 Lebensmittelpunkte - bin oft und lange in beiden Ländern, habe deutsche und russische Wurzeln, eine russische Ehefrau, deutsche Eltern, mein Sohn ist deutsch & russisch, große Teile meiner Familie sind in beiden Ländern usw. Oder welche Art von Gründen wird in der Regel als hinreichend "wichtig" bewertet?



Benutzeravatar
m5bere2
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2406
Registriert: Freitag 14. September 2012, 19:22
Wohnort: Nowosibirsk

Re: Russische Staatsbürgerschaft für Spätaussiedler

Beitrag von m5bere2 » Dienstag 19. November 2019, 14:07

sencoj hat geschrieben:
Dienstag 19. November 2019, 12:52
Ist es realistisch eine Beibehaldungsgenehmigung in meiner Lage zu bekommen? Ich würde argumentieren, ich hätte 2 Lebensmittelpunkte - bin oft und lange in beiden Ländern, habe deutsche und russische Wurzeln, eine russische Ehefrau, deutsche Eltern, mein Sohn ist deutsch & russisch, große Teile meiner Familie sind in beiden Ländern usw. Oder welche Art von Gründen wird in der Regel als hinreichend "wichtig" bewertet?
Dann wird die Frage kommen: warum reicht dann eine ständige Aufenthaltsgenehmigung in Russland nicht aus? Darüber hinaus gibt es noch das Problem, dass die russischen Gesetze in ihren "erleichterten" Rückkehrerprogrammen oder Programmen für russische Muttersprachler üblicherweise tatsächlich die abgabe der alten Staatsangehörigkeit fordern.


Was das Einwohnermeldeamt über deine sowjetische Staatsangehörigkeit verzeichnet, ist übrigens völlig irrelevant. Die tragen da Staatsangehörigkeiten auf bloße Vermutung ein. Meiner Tochter haben sie auch sofort nach Geburt dort noch eine russische Staatsangehörigkeit eingetragen, obwohl sie in Deutschland geboren ist und mit nur einem russischen Elternteil nach russischer Gesetzeslage die russische Staatsangehörigkeit gar nicht automatisch erlangen kann.

Die deutschen Einwohnermeldeämter kennen die russischen Gesetze erwartungsgemäß nicht und tragen deshalb auf Verdacht da eine zweite Staatsangehörigkeit ein.

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 11983
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Russische Staatsbürgerschaft für Spätaussiedler

Beitrag von Norbert » Dienstag 19. November 2019, 16:27

sencoj hat geschrieben:
Dienstag 19. November 2019, 12:52
Ist es realistisch eine Beibehaldungsgenehmigung in meiner Lage zu bekommen? Ich würde argumentieren, ich hätte 2 Lebensmittelpunkte - bin oft und lange in beiden Ländern, habe deutsche und russische Wurzeln, eine russische Ehefrau, deutsche Eltern, mein Sohn ist deutsch & russisch, große Teile meiner Familie sind in beiden Ländern usw. Oder welche Art von Gründen wird in der Regel als hinreichend "wichtig" bewertet?
Das Bundesverwaltungsamt nennt als mögliche Gründe: Familie, Beruf, Immobilien. Hat man alles drei in allen drei Ländern und vielleicht auch noch einen handfesten Nachteil ohne beide Staatsbürgerschaften (als absurdes Beispiel eine Immobilie in einem für Ausländer zutrittsbeschränkten Gebiet), so wird der Antrag mit relativ hoher Sicherheit genehmigt. ABER:

In jedem Fall wird auch die Frage kommen, ob denn das zweite Land eine doppelte Staatsbürgerschaft überhaupt vorsieht. Russland toleriert es, verlangt aber erst einmal grundsätzlich die Abgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft. Dass es im Moment dennoch funktionieren kann, habe ich viewtopic.php?f=13&t=19191 etwas genauer beleuchtet. Wie lange diese Lücke noch existieren wird, ist offen.
sencoj hat geschrieben:
Dienstag 19. November 2019, 12:52
Welche Staatsbürgerschaft war es denn, die Du als zweite erlangt hast?
Nach 15 Jahren Aufenthalt als deutscher Deutscher in Russland habe ich zusätzlich die russische Staatsbürgerschaft angenommen. Alle oben genannten Argumente trafen auf mich in beiden Ländern zu, ein handfester Nachteil wäre der Verlust russischer Rentenansprüche bei späterem Wohnsitz in Deutschland gewesen.

sencoj
Grünschnabel
Beiträge: 11
Registriert: Dienstag 25. Januar 2011, 04:57

Re: Russische Staatsbürgerschaft für Spätaussiedler

Beitrag von sencoj » Dienstag 19. November 2019, 18:30

Sehr hilfreiche Infos hier im Forum, vielen Dank! Leider alles gar nicht so einfach wie erhofft. Dann werde ich mich wohl bei meinem nächsten längeren Aufenthalt mit dem ВНЖ befassen und eventuell später mit der Staatsbürgerschaft.

Nun sind die lokalen Behördengänge auch dafür, wie ich aus schmerzlichen Erfahrungen einiger Bekannter in letzter Zeit gelernt habe, ein ziemliches Martyrium. Ich kenne einige Leute, die sich vor etlichen Jahren die Erlangung der Niederlassungserlaubnis per bezahlter Dienstleistung "erleichtert" haben und sich so die Behördengänge gespart haben und eine zeitnahe (wichtiger - fristgerechte) Fertigstellung gesichert war. Kennt jemand solche "Agenturen", die noch arbeiten?

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 11983
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Russische Staatsbürgerschaft für Spätaussiedler

Beitrag von Norbert » Dienstag 19. November 2019, 19:14

Mein Eindruck: Diese Agenturen helfen, wenn man ein Standardfall wie die unzähligen Arbeitsmigranten ist. Geht man hingegen auf Paragraphen wie Rückkehrer oder ähnliches, müssen sich die Agenturen auch einlesen und beraten im schlimmsten Fall auch noch falsch. Sicher sind die Behördengänge nervig, aber am Ende völlig unproblematisch, wenn man sich vorab etwas informiert. Die Überholspur vereinfacht heutzutage an sich maximal noch die Sprach- und Geschichtsprüfungen sowie die Gesundheitstests.

Aber die Fristen sowie Regeln sind heutzutage eh ziemlich fix - da muss man schon wahnsinnig hoch angebunden sein, um daran etwas zu drehen.

Benutzeravatar
m5bere2
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2406
Registriert: Freitag 14. September 2012, 19:22
Wohnort: Nowosibirsk

Re: Russische Staatsbürgerschaft für Spätaussiedler

Beitrag von m5bere2 » Mittwoch 20. November 2019, 10:16

Es gibt keine Agentur, die dir alle Behördengänge erspart. Laut Gesetz sind Anträge auf Aufenthaltsgenehmigungen vom Ausländer PERSÖNLICH zu stellen. Eine Agentur, die was anderes behauptet, handelt also nicht im Rahmen der Gesetze, was jederzeit zur Annulierung von РВП, ВНЖ, oder Staatsangehörigkeit führen kann. Manchmal drucken diese "Agenturen" auch einfach nur ein Dokument auf staatlichem Papier aus, aber die Nummern aller gültigen Dokumente sind mittlerweile in zentralen Datenbanken überprüfbar, sodass das schnell auffliegt.

Was die Prozeduren erheblich erleichtern kann, sind Migrationszentren und Privatkliniken, wo man alle medizinischen Untersuchung und Sprachtests an einem Tag an einem Ort erledigen kann. Früher musste man zich mal an gegensätzliche Enden der Stadt fahren, um alle Tests und Untersuchungen zu machen. Das Migrationszentrum in Nowosibirsk ist zum Beispiel ziemlich gut. Als ich РВП beantragt habe, gab es das noch nicht, bei ВНЖ gab es das dann, sodass ich den Vergleich habe. Vom Migrationszentrum in Moskau hört man, im Gegenteil, nur Schlechtes.



Antworten

Zurück zu „#Visum | Pass- und Einreisebestimmungen“